Kurz und die neue „Buberlpartie“

Mit einem Schwiegersohn-Image ist Sebastian Kurz (ÖVP) angetreten, die Republik zu verändern. Alles sollte anders werden, war sein Anspruch. Viele haben es ihm abgenommen. Geblieben sind bisher der Verdacht auf ein riesiges Korruptionsnetzwerk, das alle bisherigen österreichischen Skandale in den Schatten stellt und eine desaströse Corona und Wirtschaftspolitik.

Kurz-Intimus und Finanzminister Gernot Blümel (ÖVP) etwa wird als Beschuldigter in den Ermittlungen zu Casinos Austria und Novomatic geführt. Hierbei geht es um potenzielle Spenden des Glücksspielunternehmens Novomatic an die ÖVP. Wegen dieser Causa wurde auch eine Hausdurchsuchung bei Finanzminister Blümel angeordnet. Deren Ablauf mutete ein wenig kurios an, denn Blümel konnte seine Frau vor der Hausdurchsuchung warnen.

In einem Krone-Interview schilderte Blümel: „Ich durfte vorher noch meine Frau anrufen, wir haben ja ein kleines Kind zu Hause, das hat geschlafen. Ich hab ihr gesagt, dass ich jetzt mit einigen freundlichen Menschen vorbeikomme. Meine Frau ist dann mit unserer Tochter spazieren gegangen“. Es stellte sich heraus: Nach dem Telefonat nahm seine Frau besagten Laptop mit auf einen Spaziergang! Den Beamten fiel der fehlende Laptop aber auf, worauf Blümel seine Frau kontaktieren musste. Diese befand sich angeblich gerade auf einer Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Blümels Frau übergab aber den Laptop an Blümels Kabinettschef, der ihn wiederum zu den Ermittlern brachte. Es vergingen zirka eineinhalb Stunden zwischen dem Beginn der Hausdurchsuchung und der Übergabe des Laptops.

Im ÖVP-Umfeld wird mit Maskenproduktion abkassiert

Die Maskenconnection von Kurz

Seit der Razzia beim Maskenproduzenten „Hygiene Austria“ ist bekannt, dass es Firmenverbindungen ins Bundeskanzleramt gibt. Konkret zur Büroleiterin von ÖVP- Kanzler Sebastian Kurz, Lisa Wieser. Deren Mann, Luca Matteo Wieser, ist Vorstand der Palmers Textil Aktiengesellschaft, die wiederum zu 49,9 Prozent Eigentümer der „Hygiene Austria“ ist. Der Schwager der Büroleiterin, Timo Wieser, ist Geschäftsführer.

Lisa Maria Wieser gilt als rechte Hand des Kanzlers. Die Chefsekretärin begann ihre ÖVP-Karriere gleich nach der Matura beim Grazer ÖVP-Bürgermeister Siegfried Nagl, war danach im Kabinett von Maria Fekter tätig, bis sie schließlich bei Sebastian Kurz anheuerte. Als Kurz 2011 zum Integrationsstaatssekretär gekürt wurde, übernahm Wieser die Büroleitung. Seit neun Jahren ist sie nun enge Vertraute von Kurz.

Besonders pikant: Das Unternehmen ihres Gatten wurde erst kurz vor Verkündung des ersten Lockdowns im März 2020 gegründet. Bundeskanzler Kurz hat sich sogar via Videobotschaft im Namen der Bundesregierung bei den Firmengründern bedankt. Die Verbindung zwischen Kurz und seiner engen Vertrauten lassen die Frage zu, ob hier Insiderinformationen geflossen sind. EU-weit gibt es nur in Deutschland und Österreich eine FFP2-Maskenpflicht. Die Firma ist auch in Kritik geraten, weil sie in China produzierte Masken mit dem Qualitätssiegel „Made in Austria“ versehen haben soll.

SMS-Verkehr offenbart ÖVP-Sittenbild

Kurz, viele SMS und seine „Buberl“

Im Zuge der Casino-Affäre wurde auch das Handy von Thomas Schmid beschlagnahmt. Schmid gilt als Vertrauter von Kurz und Blümel und wurde auf den Chefsessel der Staatsholding ÖBAG gehievt. Die ÖBAG verwaltet die Beteiligungen der Republik Österreich im Wert von rund 26 Milliarden Euro. Darunter befinden sich Unternehmen wie Verbund, OMV, A1, Post und auch die Casinos Austria. Kürzlich sind pikante SMS bekannt geworden.

Noch bevor der Posten von Schmid ausgeschrieben wurde, soll es schon einen Glückwunsch von hoher Stelle gegeben haben. Die Antwort von Schmid: „Danke Dir! Werde aber noch eine zeitlang erhalten bleiben. Den ÖBAG Job schreiben wir ja erst im Jänner aus :-)).“ Es schien für Kurz und seine „Buberl“ also schon sehr früh klar gewesen zu sein, wer den hohen ÖBAG-Posten bekommt.

„Du bist Familie“, soll Finanzminister Gernot Blümel an Thomas Schmid geschrieben haben und Kurz ließ Schmid wissen: „Kriegst eh alles, was du willst.“ Darauf Schmid fast schon verliebt an Kurz: „Ich bin so glücklich :-))) Ich liebe meinen Kanzler (…).“

Der weitere Chat- und SMS-Verlauf von „Sonnenkanzler“ Kurz lässt darauf schließen, dass das, wovon der „sonnengetränkte“ Strache auf Ibiza geträumt hat, knallhart von Kurz und seinen „Buberl“ umgesetzt wird und wurde. Der Vorteil von Kurz: Unzählige Steuermillionen, um die Medien milde zu stimmen. Doch auch das wird den Fall des Kanzlers nur aufhalten – besiegelt scheint er schon zu sein.

Bildquelle:

  • Kurz Blümel: APA