Fünf Argumente gegen die Umbenennung von öffentlichen Orten

Der Stadt Graz liegt mit dem Endbericht der Expertenkommission für Straßennamen ein über tausend Seiten langes Elaborat vor, das sich vor allem mit Straßen auseinandersetzt, die nach Personen der Vergangenheit benannt sind. Tendenzen dazu, dass auch in anderen Gemeinden ähnliche Bestrebungen vorangetrieben werden sollen, lassen sich bereits jetzt erkennen.

Grundsätzlich ist der Versuch einer wissenschaftlichen Aufarbeitung durchaus zu begrüßen, das Ergebnis muss aber von der Politik mit Augenmaß verwaltet und behandelt werden. Für Forderungen nach Umbenennung öffentlicher Orte wird es aber aus freiheitlicher Sicht keinesfalls eine Unterstützung geben.

 

Mehrheit der Bevölkerung lehnt Umbenennungen ab

Eine große Mehrheit in der Bevölkerung lehnt Umbenennungen klar ab. Das zeigt sich ganz deutlich, wenn man laufende Umfragen und Diskussionen in Foren und sozialen Netzwerken verfolgt. Einer landesweiten Online-Umfrage der Kleinen Zeitung zufolge sprechen sich 96 % der Befragten gegen die Umbenennung von öffentlichen Orten, die den Namen von Hans Kloepfer tragen, aus. Das große Interesse der Menschen an dieser Debatte unterstreicht auch die Wichtigkeit der Mitsprache der Bevölkerung.

 

Umbenennungen sind mit hohen Kosten verbunden

Die Wirtschaftskammer Steiermark hat bereits im Jahre 2014, als die Umbenennung der Grazer Conrad-von-Hötzendorf-Straße im Raum stand (anlassgebend für die Einsetzung der Expertenkommission), eine Kosteneinschätzung abgegeben. Alleine die direkten Kosten einer Umbenennung beliefen sich nur für die 135 angesiedelten Unternehmen auf 560.000 Euro. Für die rund 1.300 Bewohner der C-v-H wäre jeweils mit einem persönlichen zeitlichen Aufwand in Höhe von etwa eineinhalb Stunden zu rechnen. Die Höhe der volkswirtschaftlichen Gesamtkosten der Umbenennung der CvH wird auf 1,75 Millionen Euro geschätzt.

 

Zusatztafeln führen zu weiteren Debatten

Als Alternative zu Umbenennungen wird auch die Anbringung von Zusatztafeln diskutiert. Diese sollen einen tieferen Einblick in die Vita des Namensgebers gewähren. Auch das ist eine höchst kritische Angelegenheit. Einerseits bedarf es dazu einer entsprechenden Textierung, und andererseits wird auch die Frage zu lösen sein, an welchen Stellen die Zusatztafeln anzubringen seien. Am Beispiel der fast 2,5 Kilometer langen C-v-H wird das besonders deutlich. Sinnvoller wäre es, einen Katalog der namensgebenden Persönlichkeiten auf der Webseite der jeweiligen Gemeinde zu veröffentlichen. Ausführliche und wissenschaftlich fundierte Publikationen über Straßennamen könnten dazu herangezogen werden.

 

Methodik der Beurteilung

Es ist stets eine große Herausforderung, historische Gegebenheiten für Beurteilungen in der Gegenwart heranzuziehen. Ein besonderes Augenmaß bei einer solchen Beurteilung hat daher größte Bedeutung. Wenn Menschen im Kontext ihrer Zeit Entscheidungen treffen, so ist es durchaus möglich, dass diese von nachfolgenden Generationen kritisch hinterfragt werden. Es stellt aber einen gravierenden Unterschied dar, wenn der Versuch unternommen wird, diese Menschen aus dem kollektiven Gedächtnis zu verbannen.

Jede dieser namensgebenden Persönlichkeiten wurde wegen ihrer kulturellen, wissenschaftlichen und sozialen Verdienste mit dieser Ehre einer Straßenbenennung bedacht. Politische Gesinnung war durchwegs nicht das ausschlaggebende Moment. Versuche, die Geschichte eines Ortes nachträglich und mit wissenschaftlich fragwürdigen Methoden auszuradieren, müssen jedenfalls mit Nachdruck verhindert werden!

 

Wo soll die Grenze gezogen werden?

Ausgangspunkt der Grazer Diskussion war vor einigen Jahren die Person Conrad von Hötzendorf und die nach ihm benannte Straße. Der Endbericht der Kommission beinhaltete schließlich auch Personen wie Martin Luther und Abraham a Santa Clara. Wo soll die Grenze gezogen werden?

Eine selbstbewusste Gemeinde soll sich ihrer Geschichte bewusst sein und zu ihrer Vergangenheit stehen. Ein entsprechendes Bekenntnis dazu sollte selbstverständlich sein. Die Geschichte einer Stadt fordert uns dazu auf, sich mit ihr auseinanderzusetzen, Aufklärung zu betreiben, aber auch nichts von ihr zu verschweigen. Ein fairer Umgang mit der eigenen Geschichte ist aber die Grundvoraussetzung dafür.